Nike-Schuhwerbung mit Song eines Ex-Drogensüchtigen.


Bei Nike dürfen auch die Azubis mal bestimmen, welche Musik gespielt wird. Oder hat sich hier ein alter Haudegen vertan? Egal. Der Kommerzwahn der Gesellschaft wird immer größer, ein aktuelles Beispiel liefert uns Nike auf einem Silbertablett - in dem Werbespot "A little less hurt": Man sieht bekannte Sportler, wie zum Beispiel Lance Armstrong, die ihren Beruf ausüben und dabei schmerzvoll das Gesicht verziehen. Im Hintergrund läuft das "Hurt"-Cover von Johnny Cash. Zugegeben passen Titel und Anfang des Liedes zur Situation:

I hurt myself today
To see if I still feel
I focus on the pain
The only thing that’s real.


Jeder, der den gesamten Inhalt des Liedes kennt, weiß nun was folgt:

"The needle tears a hole
The old familiar sting"
(Die Nadel reißt ein Loch, der alt bekannte Stich).


Die Mitarbeiter von Nike wussten das anscheinend nicht, als sie den Film produzierten. Oder vielleicht doch, weil gerade diese Strophe in der Werbung ausgelassen wurde? Ein Lied über einen Drogensüchtigen in einer Werbung für Nike? Na nu? Eine Kampagne gegen Doping? Nein, nein - der Höhepunkt des Spots ist ja noch nicht erreicht. Man sieht endlich, was die Schmerzen verursacht hat: Natürlich, die Schuhe sind es. Mit Nike läuft es sich da schon viel besser. Prima! Hauptsache der Rubel rollt.

Hier gibt's den Spot bei YouTube.

(Gastbeitrag)
geschrieben am 2006-10-08 16:20 von Isa in: Entsetzlichkeiten



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Kommentare / Trackbacks


Das Fernsehen ist ein Spiegel der Gesellschaft.
Dies habe ich mal irgendwo gelesen. Vielleicht bei Peter Hahne. Trifft es jedenfalls ganz gut.

Aber vielleicht ist das Lied auch eine versteckte Anspielung auf (Kinder-/Billig-) Arbeit in der "dritten" Welt. "A little less hurt" - dies wird zum Schluss eingeblendet: etwas weniger verletzt - die Würde des Menschen?
Mögliche Aussage dieses Spots: Arbeit für wenig Geld ist besser als keine Arbeit und kein Geld. Nike kaufen bringt Geld zu den "armen". Davon können sie sich wenigstens ernähren (oder er(ver)hungern?).

Freie Übersetzung des Sängers - ein Arbeiter?:
Ich verletze mich selbst um zu sehen, ob ich noch fühle (lebe). Ich konzentriere mich auf den Schmerz, das einzig existierende.
Sieh was aus mir geworden ist. Es hätte euch allen passieren können. Mein Reich aus Schmutz. Meine Arbeit wird eure Vorstellungen enttäuschen. Sie wird euch verletzen.

Ohne Ton ist es Schuhwerbung - oder Laufen die Menschen um ihr Leben?

Man sollte sich diesen Spot zumindest unter diesen Gesichtspunkten noch einmal ansehen.

Viele offene Fragen. Nike wird es anders sehen als ich.

A little less hurt.
Etwas weniger verletzt.


Um meine Interpretation sachlich zu untermauern:

Beim Durchforsten der Müllhalden in der Dominikanischen Republik stießen wir eines Tages auf interne Listen und Dokumente von Nike. Dort gibt es für jeden Arbeitsschritt einen Zeitrahmen. Der wird nicht in Sekunden bemessen, sondern in Zehntausendstelsekunden [Anm.: 0,0001s]. Rechnet man alle 22 Schritte zusammen bleiben 6,6 Minuten zum Nähen eines Hemdes. Der Stundenlohn beträgt hier 70 Cents. Das macht 8 Cents in 6,6 Minuten. Demnach beträgt der Lohn 0,3 Prozent des Verkaufspreises.

Quelle: The Corporation, Kapitel 5, 22:44 Minuten


Webseite zum Film
Zu kaufen in Deutschland bei Zweitausendundeins.

von hardware-ler (WWW) @ 2006-10-10 20:11
Eventuell wollte man einfach die Leute ansprechen, wie man sieht hat das doch gut geklappt. Dafür ist die Werbung ja da, damit die Leute sich den Namen der Firma / Werbung merkt und darüebr spricht.

von Gast (WWW) @ 2006-11-08 15:44
OHA...

Ein Junkielied?

Und mir gefiel der Spot auch noch, weil ich den Song nicht kannte und nicht richtig hingehört habe! Die Melodie passte schlichtweg!

Danke für die Aufklärung. Aber es ist wohl so wie mit dem Spiegel, den man vorhält. Fassen wir uns also alle an die Nase. Gesellschaft, Werbung....

von Der Typ da @ 2006-11-12 09:44
hier sind ja einige verschwörungtheoretiker^^
In der Werbung geht es einfach nur um den eindruck und die wirkung des spots, der text passt einfach zu den Bildern, es ergab ein schönes Gesamtbild (künstlerisch gesehen).
Billigarbeitskräfte und ausbeutungen der dritten welt und diese werbung sind für mich 2 paar schuhe. Sonst kann man mit dem argument einen großen prozenteil der textilindustrie anprangern.
Ich sehe das natürlich auch nicht als ok an, wie die menschen hier teilweise ausgebeutet werden, aber lasst uns doch beim thema bleiben...

von Gast @ 2006-11-12 09:46

Bei Nike dürfen auch die Azubis mal bestimmen, welche Musik gespielt wird. Oder hat sich hier ein alter Haudegen vertan? Egal. Der Kommerzwahn der Gesellschaft wird immer größer, ein aktuelles Beispiel liefert uns Nike auf einem Silbertablett - in dem Werbespot "A little less hurt



Ja, das wird der kommezrwahn sein^^
er schrieb uns einen werbespot


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